Jan. 22 2026
Luxustourismus statt Permakultur
150 Pachtverträge werden nicht verlängert. Auch der Finca Leukeña droht das Aus.
Das Land, auf dem sich die Finca Leukeña befindet, gehört der Immobiliengesellschaft Sociedad Azucarera Larios. Die Immobiliengesellschaft bzw. die Familie Larios besitzt fast das gesamte Land zwischen Nerja und Maro. Das Gelände (rd. 200 Hektar) ist in 400 Parzellen aufgeteilt und wurde bisher für landwirtschaftliche Zwecke an 150 Personen verpachtet.
Bereits im letzten Jahr verbreiteten sich Gerüchte, dass die Pachtverträge nicht mehr verlängert würden. Dies bestätigte ein Vertreter des Unternehmens den Pächtern dann bei einer Versammlung Anfang Dezember ’25. Rund 6 Wochen später hat das Unternehmen eindrücklich demonstriert, dass es die Pächterinnen und Pächter nach Auslaufen des jeweiligen Pachtvertrags nicht mehr auf dem Land duldet. Am Freitag, dem 16. Januar wurde das von einer Pächterin mitgemietete Haus ohne Vorankündigung abgerissen. Die Pächterin hatte keinerlei Gelegenheit ihr Eigentum zuvor aus dem Gebäude zu räumen. [1]

22.02.: Es wurden weitere Gebäude abgerissen. Das Bild zeigt die Überreste des Gebäudes, in dem die BAM bis 2024 ihr Räume hatte. (Links fließt Wasser in einer Acequia, einem effektiven Bewässerungssystem aus maurischer Zeit.)
Larios plant schon seit langem das Gebiet zwischen Nerja und Maro für Luxustourismus zu nutzen. Geplant sind ein Golfplatz, Hotels und Eigentumswohnungen der gehobenen Preisklasse. [2] Deshalb werden jetzt die Pächter vertrieben.
Das Gebiet ist jedoch von großem historischem, kulturellem und landschaftlichem Wert. Es grenzt an die Naturschutzgebiete „Acantilados de Maro-Cerro Gordo“ und „Sierras de Tejeda, Almijara y Almara“. Zwischen Küste und Hauptstraße gilt ein Küstenschutzplan. Das Gebiet ist außerdem als UNESCO Kulturerbe geschützt. Darüber hinaus handelt es sich um ein Gebiet mit besonderem landwirtschaftlichen Schutzstatus, in dem seit Generationen kleinbäuerliche Landwirtschaft betrieben wird. [3]
Im aktuellen Bebauungsplan ist das Gelände nach wie vor als landwirtschaftliche Fläche und als nicht bebaubar ausgewiesen. Trotz einer Vereinbarung zwischen Larios und der Stadt Nerja im Jahr 2020 [4] wurde der Status des Gebietes bisher nicht geändert. Dies hindert Larios jedoch nicht daran, die Pläne weiter zu verfolgen.
Larios begründet die Vertreibung der Pächter damit, dass nur 50 der 150 Pächter Landwirtschaft betreiben würden und die Gegend durch Gewächshäuser und Müll verschandelt und die Umwelt belastet werde. Deshalb wolle Larios das Gelände nun aufräumen, neu strukturieren und die landwirtschaftlichen Betriebe professionalisieren. Die Pläne für Golfplatz und Luxusunterkünfte sind damit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. [5]
Plastik-Gewächshäuser, am Feldrand herumliegende Folienhaufen oder gar das Unterpflügen der Folien sind tatsächlich ein Problem. Auch auf der Finca Leukeña sammeln wir regelmäßig aus der Nachbarschaft herangewehte Kunststoffschnipsel von verrottenden Plastikplanen auf. Dagegen hätte Larios aber schon seit Jahren vorgehen können. Die Pachtverträge enthalten sehr detaillierte Bestimmungen, was erlaubt ist und was nicht. Die Plastikplage hätte auf diesem Weg schon lange unterbunden werden können.
Dies zu den „schwarzen Schafen“ unter den Kleinbauern. Es gibt aber auch etliche Bio-Betriebe (mit und ohne Zertifikat) und Permakultur-Fincas, wie die Finca Leukeña, auf der schon seit 10 Jahren erfolgreich eine neue Humusschicht aufgebaut wird. Für den Vertrieb ihrer Produkte haben die ökologisch arbeitenden Betriebe den Verein Bio Agricultura Maro (BAM) gegründet. [6] Menschen aus Nerja und Umgebung können darüber lokal produzierte, ökologische Lebensmittel direkt von den Erzeugern beziehen.

Chamäleon, fotografiert im August 2022 auf der Finca Leukeña.
Was Larios sich unter einer Professionalisierung der Betriebe vorstellt, kann man sich auf der Unternehmenswebseite ansehen. [7] Avocados in Monokultur. Endlose lange Reihen von Avocadobäumen und sonst nichts. Die aktuell noch abwechslungsreiche Landschaft in der auf jedem Feld etwas anderes wächst soll in eine zwar grüne aber eintönige Avocadowüste verwandelt werden. Das macht es für wandernde, die Gegend erkundende Touristen übersichtlich. Nur Avocados, keine Rätsel mehr, was denn da so am Wegesrand wächst, oder welches nur aus dem Supermarkt bekannte Gemüse das dort auf dem Feld sein könnte. Nein, demnächst wird alles schön übersichtlich sein: alles Avocado – in Reih und Glied.
Die von Larios geplante Ausrottung der Pflanzenvielfalt wird sich auch massiv auf die dort lebenden Pflanzen und Tiere auswirken und vielen den Lebensraum nehmen, so auch den jetzt noch dort anzutreffenden Chamäleons.
Die Pächter versuchen nun sich auf juristischem Weg gegen ihre Vertreibung und die Zerstörung des Lebensraums zu wehren.
[3] <https://www.cadtm.org/The-Earldom-of-Larios-Uses-Debt-Blackmail-to-Build-a-Golf-Course-on>
[5] <https://salsainmobiliaria.es/en/future-projects/maro-golf/>
[6] <https://www.bioagriculturamaro.com/>
[7] <https://salsaagricola.es/en/avocado-farming>
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